Zu kooperativem Lernen, Aufgabe 1:
Bei der Frage, welche Besonderheiten sich beim "kooperativen Lernen" im Hinblick auf netzgestützten Lernszenarien ergeben, ist zunächst zu präzisieren, was damit genau gemeint ist: Handelt es sich um eine Form der Gruppenarbeit wie in inserem "Elektronischen Praktikum", wo zwei Gruppen via Internet miteinander (mehr oder weniger) interagieren, oder handelt es sich um eine form kooperativen Lernens, in der alle TeilnehmerInnen nur über das Netz miteinander verbunden sind? Im ersten Fall, wo eine Gruppe gemeinam etwas erarbeitet, also letztlich in einer "traditionellen" Präsenzsituation, und dann netzbasiert mit einer anderen Gruppe interagiert, sind die Unterschiede zu "normalem" Präsenzunterricht hinsichtlich der Prinzipien kooperativen Lernens meiner Meinung nach nicht wesentlich, denn die tatsächliche Gruppenarbeit findet ja nicht in einem virtuellen Raum statt. Sind die Gruppenmitglieder jedoch an unterschiedlchen Ort und bilden nur via Internet eine kooperative Gemeinschaft, ergibt sich natülich eine völlig andere Situation. Auf diese Situation möchte ich im Folgenden genauer eingehen:
Ein Element des kooperativen Lernens fällt dann nämlich bereits komplett weg, die "face-to-facce-Interaktion." Der als Vorteil des Präsenzunterrichts beschriebene und sehr einsichtige Aspekt, dass " wenn sich Gruppenmitglieder in solch unmittelbarer Nähe zueinander befinden und so miteinander reden, dass dauerhafter Fortschritt gefördert wird", muss dann durch die Aufforderung reger Kommunikation über virtuelle Kanäle, und zwar bevorzugt synchrone, gleichzeitige wie "Chat", ersetzt werden, wobei ich hier der Meinung hin, dass dies bezüglich der Idee von Gruppenarbeit tatsächlich nur ein "Ersatz" und keine als gleichwertig zu betrachtende Kommunikationssituation ist. Umso mehr muss der/die LehrerIn bzw. TutorIn die Lernenden auffordern, ihr gemeinsames Ziel zunächst über E-mail, Forum, Blog etc. in Form von Vorschläge auszuhandeln, spätestens dann aber im Chat zu diskutieren. Sonst ist das Ergebnis das, was die Realität vieler Gruppenarbeiten kennzeichnet (und wie man es z.B. auch von der Uni kennt): Jeder erledigt eine Aufgabe (die meist im Hinblick auf den Umfang noch sehr ungleich verteilt sind). Auch wenn natürlich eine Verteilung von Aufgaben Grundprinzip jeder Gruppenarbeit ist, ist das bloße separate Bearbeiten einzelner Teile ohne Diskussion aber in Wirklichkeit keine Gruppenarbeit, sondern nichts anderes als Einzelarbeit, die folglich auch keine der beschriebenen sozialen "skills" fördert. Die Gefahr, dass dieses Problem bei einer netzgestützen Gruppenarbeit auftritt, ist deutlich höher als bei einer Präsenzarbeit, weil die Möglichkeiten direkter Kommunikation über den Gegenstand im Kontrast zur Präsenzsituation eingeschränkt sind. Daher besteht hier eine besondere aufgabe der Lehrkraft darin, diesem Problem entgegenzuwirken und Kommunikation, gemeinsame Zielfindung und vor allem gemeinsame Verantwortlickeit für ein gemeinsames Ergebnis zu fördern.
Insgesamt glaube ich daher, dass Gruppenarbeit zwar netzbasiert sehr wohl auch möglich ist und erfolgreich sein kann, dass aber im Hinblick auf ein bzw. das zentrale Ziel kooperativen Lernens, nämlich der Aspekt sozialen Lernens, virtuelle Lernsituationen nicht an das Lernpotential von Präsenzsituation herankommen, wo das soziale Miteinander permanent im Mittelpunkt steht und man auch nicht einfach den Comuter ausschalten kann, wenn man keine Lust mehr hat. Demgegenüber ist es natürlich ein besonderer Erfolg, wenn es einer Gruppe, die nur "virtuell" eine Gemeinschaft bildet, gelingt, eine Gruppenarbeit erfolgreich durchzuführen.
Ein Vorteil gegenüber Präsenzsituationen ist, dass die Lehrkraft bei netzgestützter Arbeit genau sehen kann, wer etwas eingestellt hat: Das bekannte Problem bei Gruppenarbeiten, dass einer oder ein Teil der Gruppe alles macht und andere gar nichts, ist so leichter kontrollierbar.
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1 Kommentar:
Da stimme ich auch zu: bei netz- und computergestützten Lernszenarien hat der Lehrer eine bessere Übersicht über die Leistungen der Gruppenmitglieder. Dieses kann man zweifellos als Vorteil gegenüber Präsenzunterricht hervorheben, obwohl die sozialen Kompetenzen eher in einem Frontal-Unterricht zum Ausdruck kommen.
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